Vom Gründchen in den Odenwald

GREBENAU - Dieser Gottesdienst wird den Schwärzern und Udenhäusern in Erinnerung bleiben, war es doch der letzte ihrer Pfarrerin Xenia Mai, die bereits eine Woche später in ihrer neuen Gemeinde im Odenwald ins Amt eingeführt werden soll. Es war kein spontaner Weggang. Nachdem seit vielen Jahren feststand, dass die Gemeinden Schwarz und Udenhausen zukünftig nur noch mit einer halben Pfarrstelle versorgt werden sollen. Kooperationsmöglichkeiten, die ein Bleiben der Pfarrerin vielleicht ermöglicht hätten, erschienen sowohl den Gemeinden als Mai als nicht praktikabel. So stand am Ende von fast 14 Jahren ein Abschied, heißt es in der Pressemeldung des Dekanats.

Dass Pfarrerin und Gemeinden zusammenpassten und ihnen der Abschied schwerfällt, zog sich durch den Abschiedsgottesdienst in der Schwärzer Kirche und die anschließende Feier in der Auerberghalle. Den Gottesdienst gestaltete die scheidende Pfarrerin selbst, unterstützt von ihren Kirchenvorstandsmitgliedern und ehemaligen Konfirmanden. Musikalisch begleiteten ein großer Posaunenchor, besetzt mit Bläsern aus Schwarz und Udenhausen unter der Leitung von Jochen Grabowski, und Organistin Heidi Reibeling. Ihre letzte Predigt nutzte die Pfarrerin, um auf die von ihr und ihren Gemeindemitgliedern empfundene Ungerechtigkeit der Pfarrstellenkürzung einzugehen. Was rechnerisch und wirtschaftlich nachvollziehbar wäre, dürfe für Kirche nicht gelten, so ihr Fazit: "Bei Gott geht es nicht um Zahlen, es geht um Menschen."

Aus ihrem Amt im Gründchen verabschiedet wurde Xenia Mai von der stellvertretenden Dekanin des Dekanats Vogelsberg Luise Berroth. In die Abschiedsstimmung hinein sprach sie von Hoffnung. Hoffnung, dass für Xenia Mai in ihrer neuen Gemeinde alles gut werde, und Hoffnung auch, dass sich für die zurückbleibenden Gemeindeglieder in Schwarz und Udenhausen alles zum Guten wende.

In ihren Fürbitten und Textbeiträgen dankten die Kirchenvorstehenden beider Gemeinden Xenia Mai. Viele Konfirmanden und Familien seien mit der Pfarrerin verbunden. Man teile viele Erinnerungen. "Ihr Einsatz hat Freude und Dankbarkeit in die Gemeinden gebracht."

Der Einladung zur Abschiedsfeier mit Grußworten folgten viele Gäste in die Auerberghalle. Dort eröffnete der Chor TonArt unter der Leitung von Peter Jerabeck den Abend mit erklärten Lieblingsliedern der Pfarrerin. Das erste Grußwort übernahm Bürgermeister Lars Wicke. Auch er sparte nicht mit Kritik an der Pfarrstellenbemessung der Landeskirche, die seit vielen Jahren im Gründchen die Gemüter erhitzt und offenbar noch viel Potenzial hat. Seine Gemeinden seien am Ende des Gebiets der Landeskirche, hinter den "sieben Bergen" und verlassen von der Kirchenleitung, verlieh er dem Gefühl seiner Dörfer Ausdruck. "Ohne Hirte stirbt die Herde", so Wicke der einen massiven Rückgang der Anzahl von Mitgliedern in der evangelischen Kirche befürchtet, wenn weiterhin Pfarrstellen gekürzt werden. Der Kirchenleitung rief er zu: "Kehren Sie um von diesem Irrweg." An die scheidende Pfarrerin gerichtet, dankte ihr der Rathauschef für die gute Zusammenarbeit. Wicke, auch Mitglied in Kirchenvorstand und Posaunenchor, lobte Mai für ihre viele Qualifikationen.

Präses Sylvia Bräuning lobte in ihrer Ansprache das Engagement und warb um Verständnis für die Neubemessung der Pfarrstellen. Es gelte nun, Dinge zu tun auch über die eigenen Grenzen hinaus. Ähnliche Entwicklungen, beispielsweise auf kommunaler Ebene, hätten gezeigt, dass Kooperationen gelingen. "Auch mit einer halben Pfarrstelle kann es gehen", sagte Bräuning.

Moderiert wurde die Grußwortrunde von den Kirchenvorstandsvorsitzenden aus Schwarz und Udenhausen, Holger Eidt und Christa Dörr. Wie ihre Kollegen hatte sie ihren Abschiedsschmerz auf ein T-Shirt gedruckt und auch sie übten harsche Kritik an der EKHN. In den Reigen der Redner reihten sich Frank Stephan, Kirchenvorsteher aus Mais zukünftiger Gemeinden, Tanja Lüttmann vom Frauentreff und Reinhold Falk vom Posaunenchor Udenhausen. Im Namen der Gründchenchöre überbrachte Sonja Heil Dankesworte, und einen persönlichen Abschiedsgruß hatte Pfarrer Toralf Kretschmer von der benachbarten Kirchengemeinde Grebenau mitgebracht: Sie möge Vertrautes mit in ihre neue, alte Heimat nehmen - Mai stammt aus dem südhessischen Eschollbrücken -, aber auch Neues finden und Altes vermissen. Den Gemeinden versicherte Kretschmer, dass sie auch mit einer halben Pfarrstelle im Gründchen gut dabei seien. Er zeigte sich zuversichtlich, gemeinsam etwas bewegen zu können.

Anekdotenreich blickten zum Schluss die Kirchenvorstände noch auf ihre Jahre mit Xenia Mai zurück. Da war die Rede von zu heißem Taufwasser, einem Diskurs zwischen dem Teufel und dem Heiligen Geist und selbstgemachtem Kochkäse mit Bierbowle. Mit Xenia Mai verlässt tatsächlich eine Pfarrerin die Gemeinden, die hierhin gepasst hatte, wie die sprichwörtliche Faust auf das Auge, und das nicht nur wegen ihrer Liebe zu deftiger Hausmannskost. Und so waren Mais letzte offiziellen Worte auch klar und deutlich zu vernehmen: "Es war mir eine Freude, Ihre Pfarrerin sein zu dürfen."

Quelle: Oberhessische Zeitung: https://www.oberhessische-zeitung.de/lokales/vogelsbergkreis/grebenau/vom-grundchen-in-odenwald_20275366

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